Wärmepumpe im Einfamilienhaus: Lohnt sich das? (Praxiserfahrung eines Nutzers)
Molfsee - Wärmepumpe im Einfamilienhaus: lohnt sich das? Und, wenn ja, wie und warum? Wie funktioniert das? Läßt sich das auch in meinem Haus realisieren? Mit diesen Fragen befaßte sich der Arbeitskreis Klima und Umwelt - Molfsee im Rahmen seiner Vortragsreihe zum Themenkreis erneuerbare Energie und ihre Anwen-dungschancen in der Region Molfsee. Als überaus kompetenten Vortragenden konnte der Sprecher des Arbeitskreises,Wolfgang Neumaier, den Molfseer Zahnarzt Dr. Stefan Köchlin begrüßen, der seinen Neubau in Molfsee mit einer Wärmepumpe ausgerüstet hat.
In seiner Einführung erläuterte Köchlin zunächst ausführlich das Grundprinzip des Heizens mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe. Dabei wird mit Hilfe eines Kom-pressors und eines Wärmeaustauschers die Temperatur des Erdreichs zur Gewinnung von Wärme für Heizung und Warmwasser genutzt. Grundsätzlich lassen sich drei Verfahren unterscheiden, Wärmepumpen mit Grundwasserbrunnen, mit Flächenkollektoren oder mit sog. Kompaktabsorbermatten. Seit Juni 2007 bedarf es im Ortsteil Schulensee zur Durchführung von Erdsonden- oder Grundwasserbohrungen für Wärmepumpen einer Genehmigung. Davor waren derartige Bohrungen nur anzeigepflichtig. Flächenkollektoren oder Kompaktabsorbermatten seien dagegen grundsätzlich erlaubt.
Köchlin legte am Beispiel seines Einfamilienhauses mit sehr vielen Details dar, daß sich der Einbau einer Wärmepumpe grundsätzlich gelohnt hat. Er begründete dies im Einzelnen mit einem deutlichen Einsparvolumen an Primärenergie und damit verbunden mit der Verringerung des CO2 - Ausstoßes, mit Kostenersparnissen sowie mit einem sehr angenehmen Raumklima. Außerdem seien weder Öltank noch Gasanschluß erforderlich. Anhand von sehr anschaulichen Bildern zeigte er aber auch, wie chaotisch sein Grundstück in der Bauphase ausgesehen hat. Die müsse man insbesondere dann bedenken, wenn man eine solche Anlage in einem vorhandenen Haus installieren will.
Ein wichtiges Kriterium, ob sich eine Wärmepumpe rechnet, seien die Kosten für Öl und Gas. So betrage die Amortisationszeit seiner Anlage auf dem Energiekosten-niveau von 2007 lediglich 7,1 Jahre, während sie sich bei den heutigen Kosten auf ca. 20 Jahre erhöht. Dabei nicht berücksichtigt ist der in den kommenden Jahren weltweit gigantisch steigende Energiebedarf, der mit Sicherheit zu weiteren Kostensteigerungen für Primärenergie führen wird. "Würden Sie es denn wieder tun?", so eine von vielen Fragen aus dem Zuhörerkreis. Stefan Köchlins eindeutige Antwort: "Ja natürlich; auch wenn die Preise für fossile Energien derzeit noch günstig sind. - Aber ich habe auch aus Fehlern gelernt und würde manches sicher besser machen." So riet er jedem, der ein solches Projekt plant, sich ausführlich von guten Fachleuten beraten zu lassen.
Zu Beginn der Veranstaltung informierte der Sprecher des Arbeitskreises kurz über den Stand des Vorhabens "100 % erneuerbare Energie-Region Amt Molfsee". Das Amt Molfsee ist derzeit dabei, die für die nächsten drei Jahre erforderlichen Mittel einzuwerben. Er bezifferte den Bedarf für diesen Zeitraum auf insgesamt 200.000 €. Davon soll eine halbe Stelle zum Aufbau des Projektmanagements eingerichtet werden. Die übrigen Mittel werden für Öffentlichkeitsarbeit, Studien in Bezug auf die Nutzung neuer Technologien sowie den Aufbau von Netzwerken benötigt. Am Ende der drei Jahre soll dann die Gründung einer Genossenschaft stehen, die alle Abnehmer im Amt Molfsee komplett mit Energie aus erneuerbaren Quellen aus der Region versorgt. "Denn, so Neumaier, "der Akku-Molfsee ist mit Energie prall gefüllt. Wir müssen nur die richtigen Methoden und Wege finden, ihn für unsere Zwecke zu nutzen."